Der E-Commerce-Markt in Indien hat sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt, d.h. sollten Sie mit dem Gedanken spielen, in Indien zu verkaufen, dann kommen sie um den Online-Handel nicht herum. Mit rund 690 Millionen aktiven Internetnutzern ist Indien der zweitgrößte E-Commerce-Markt der Welt. Dieser Sektorwächst rasant. in den letzten drei Jahren verdoppelte sich der Umsatz von 20 auf über 40 Millionen Dollar. In einer landesweiten Umfrage Anfang 2020 gaben 74% der indischen Internetnutzer an, im vergangenen Monat mindestens einen Onlinekauf getätigt zu haben. Giganten wie Walmart, Alibaba und Amazon haben dies bereits früh erkannt und investieren Milliarden in den indischen Onlinehandel. Auch die Coronakrise hat, zumindest bis zum heutigen Tag, keinen signifikanten negativen Einfluss auf das rasante Wachstum des E-Commerce in Indien.

Zu den Auswirkungen des globalen COVID-19-Ausbruchs und dem daraus resultierenden indischen Lockdowns auf die Wirtschaft des Landes, gibt es derzeit nur Prognosen. Aber bereits jetzt steht schon feststeht, dass der indische E-Commerce-Sektor bisher vom Lockdown profitiert hat. Von heute auf morgen konnten die Inder nicht mehr in Supermärkten oder Einkaufszentren ihren täglichen Bedarf decken. Das Internet bot während des Lockdowns die einzige Möglichkeit, sich mit Produkten in großen Mengen einzudecken. Auch nach dem Lockdown werden die Onlinekäufe kaum zurückgehen, denn im Internet besteht keine Ansteckungsgefahr. Eine Tatsache, der sich viele Inder bewusst sind. „Wir sehen einen deutlichen Anstieg der Bestellungen, im März um etwa 20 bis 30 %, und wir erwarten, dass die Onlinekäufe in den kommenden Monaten noch schneller wachsen werden“, sagte Vipul Parekh, einer der Gründer von BigBasket, Indiens zweitgrößtem Online-Supermarkt.

Industrie Up-Date

Ein Onlineshop in Indien ist unerlässlich

Der indische E-Commerce-Markt wurde von Premierminister Narendra Modi erst 2016 für internationale Investoren geöffnet. Ausländische Direktinvestitionen (FDI) sind seit 2019 erlaubt, was bedeutet, dass Verkäufe nicht nur für B2B, sondern auch für B2C erlaubt sind. Einfacher ausgedrückt: Ausländisches Unternehmen dürfen seit 2019 direkt an indische Konsumenten verkaufen. Diese Chance ließen sich die amerikanischen Giganten nicht entgehen. Walmart kaufte im vergangenen Jahr Flipkart, das größte Onlinekaufhaus in Indien. Apple kündigte im Januar an, dass sie ihre Produkte nicht mehr über Reseller, sondern über ihren eigenen Onlineshop verkaufen werden. Amazon-CEO Jeff Bezos ging sogar auf eine Art Staatsbesuch in Indien. Er versprach, Milliarden in die „Digitalisierung mittlerer und kleiner Unternehmen im Land“ zu investieren. Die Erwartungen an den indischen E-Commerce-Markt sind hoch: ein Wachstum von weiteren 50% in den nächsten 4 Jahren wird erwartet. Aber nicht nur die amerikanischen Megakonzerne können von diesem Boom profitieren.

Unternehmen wie beispielsweise Hunkemöller oder Scotch & Soda wissen sehr gut, dass ein Onlineshop in Indien von entscheidender Bedeutung ist. Beide profitieren seit Jahren vom schnellen Wachstum des Online-Einzelhandels. Der Verkauf von Bekleidung über das Internet ist der wichtigste Wachstumsmotor des indischen E-Commerce-Sektors und macht bis 2020 bereits rund 40% des gesamten E-Commerce-Umsatzes aus. Das sind etwa 16,5 Millionen Dollar. Laut dem McKinsey Global Institute hat der Online-Einzelhandelssektor das Potenzial, seinen Umsatz in den nächsten fünf Jahren um das 12-fache zu steigern. Sowohl Hunkemöller als auch Scotch & Soda geben neuen ausländischen Unternehmern auf dem indischen Markt den gleichen Rat: „Stellen Sie sicher, dass Sie einen guten und zuverlässigen Partner vor Ort haben“.

Logistik und Vertrieb in Indien

Der indische E-Commerce-Markt birgt besondere Herausforderungen. Zwei der wichtigsten sind die Auslieferung der Waren und die Bezahlung durch den Kunden. Trotz der Tatsache, dass die Einführung der Steuer auf Waren und Dienstleistungen (Goods and Service Tax) den Transport von Produkten von Bundesstaat zu Bundesstaat erleichtert hat, sind noch immer nicht alle logistischen Probleme gelöst. In vielen Großstädten wie Neu-Delhi, Bangalore und Hyderabad beispielsweise darf während der Hauptverkehrszeit kein großer, kommerzieller Verkehr in die Stadt hineingeleitet werden. Darüber hinaus wird das indische Straßennetz derzeit einer Generalüberholung unterzogen, was nicht nur zu mehr Staus, sondern auch zu höheren Mautgebühren führt.

Vor allem die Auslieferung der Waren an abgelegene Orte im Landesinneren ist immer noch eine Herausforderung. Aus diesem Grund müssen große internationale Akteure wie FedEx und DHL oft mit kleinen, lokalen Parteien zusammenarbeiten, um das Paket an der Haustür zustellen zu können. Beim Aufbau eines Distributionssnetzes ist daher ein lokaler Partner unerlässlich. Nur wenn Sie die Regeln der verschiedenen Bundesstaaten kennen und wissen, wer die richtigen Akteure innerhalb dieser Staaten sind, können Sie den Service bieten, den der indische Kunde erwartet.

Online-Zahlungen nehmen aufgrund der Corona-Krise zu

Die zweite große Herausforderung beim Aufbau eines erfolgreichen Onlineshops in Indien ist die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Indische Verbraucher bevorzugen es nach wie vor, den Zusteller bei der Auslieferung bar zu bezahlen. Onlinezahlungen sind in Indien nicht verbreitet. Dies birgt erhebliche Nachteile. Zum einen fallen bei Lieferung per Nachnahme zusätzliche Steuern an. Zum anderen muss der Kunde die Lieferkosten nicht übernehmen, wenn er das Produkt an der Tür ablehnt. Die Coronakrise scheint nun jedoch eine Wende herbeizuführen. Im vergangenen Monat stieg die Zahl der Online-Zahlungen über die Zahlungsanbieter Tikkie und Paytm um etwa 20%. Ausgelöst wurde dieser Anstieg durch eine Kampagne der indischen Nationalbank, welche die Menschen dazu ermutigt, so viel wie möglich online zu zahlen.