Es ist höchste Zeit, sich mit Indien zu beschäftigen, meint Klaus Maier. Das gilt vor allem für deutsche Unternehmen, die dort Fuß fassen wollen, denn eine „Ein-Land“-Marktbearbeitungsstrategie greift auf dem Subkontinent zu kurz. Besuchern empfiehlt der Geschäftsführer von Maier+Vidorno, sich auf eine anstrengende, aber aufregende Reise einzustellen.

Das erste Mal in Asien war ich… 1995 in Indien: Chennai, Bangalore, Delhi, Pune und Kalkutta. Ich war vom ersten Moment an begeistert von der Dynamik und Aufbruchsstimmung, die das Land bis heute ausstrahlt. Anders, als ich erwartet hätte, … gab es keine spürbare Distanz zwischen Indern und Europäern. Man hatte das Gefühl, verstanden zu werden. Auch wenn sich nachher häufig herausstellte, dass es dann doch nicht so war …

Am meisten verändert haben sich seit damals… die Städte. Waren Städte wie Pune, Delhi, Bangalore oder Chennai vor 25 Jahren noch „verschlafen“, so gehören sie mittlerweile zu den am schnellsten wachsenden und sich entwickelnden Regionen in der Welt. Was da in einem halben Jahr passiert, passiert in Köln nicht in 20 Jahren.

Zum Stichwort „interkulturelle Unterschiede“ fällt mir spontan ein…, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Nord-, Süd-, Ost- und Westindien mindestens genauso groß wie die Unterschiede in Europa sind, wenn nicht sogar größer. Eine „Ein-Land“-Marktbearbeitungsstrategie in Indien greift zu kurz.

In Fettnäpfchen trete ich… ständig, wenn meine Hindi-Kenntnisse wieder einmal gefordert werden. Auch nach fast 20 Jahren Indien spreche ich nur wenig Hindi. Englisch reicht ganz einfach aus, im Privaten wie im Arbeitsleben.

An den Indern schätze ich besonders… ihre Ruhe, Gelassenheit und natürlich die Begabung, Kompromisse zu schließen und alle Beteiligten „mitzunehmen“. Das braucht allerdings auch seine Zeit.

Wenn ich in Asien bin, bin ich am liebsten… in unserem Haus in Goa.

Asien-Reisende sollten… sich auf eine aufregende, aber anstrengende Reise einstellen. In Indien macht man keinen Urlaub, sondern man reist. Der Weg ist das Ziel und man wundert sich, wie viele Alltagssituationen einfach „incredible“ sind. Am Ende einer Indien-Reise braucht man auf jeden Fall ein paar Tage Urlaub, um das Gesehene zu verarbeiten.

Kennenlernen würde ich gern einmal… den Nordosten Indiens, die sogenannten Seven Sisters.

Wenn ich in die Zukunft blicke, denke ich, dass wir noch einmal überrascht sein werden von… der rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Indiens. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig deutsche Unternehmer über Indien wissen, und diese Unkenntnis grenzt an Ignoranz. Es ist wirklich höchste Zeit, sich intensiver mit Indien zu beschäftigen.

Das Interview wurde veröffentlich von dem Wirtschaftsmagazin Asia Bridge in Kooperation mit www.maerkte-weltweit.de.