Interview mit Yasushi Hasegawa | Direktor | Fenetre Partners

Erstmals veröffentlicht in M+V’s India Insight im April 2016

Japan ist Indiens viertgrößter Investor. Große Industrien, die viel investiert haben sind Beförderungsausrüstung, Elektronik, Finanzen, sowie Handel und Vertrieb. Berühmte große japanische Firmen in Indien sind gut bekannte Unternehmen wie Suzuki, Yamaha, Toyota, Honda, Toshiba, Nissan, Panasonic, Hitachi etc. Wir haben mit Yasushi Hasegawa von Fenetre, einem japanischen Beratungsunternehmen, über die Unterschiede zwischen Indien und Japan gesprochen.

Was sind die größten kulturellen Unterschiede im Bezug darauf, wie Geschäfte in Japan und in Indien gemacht werden?

Die japanische Arbeitskultur und –ethik ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu Indien. Japanische Unternehmen mögen es, in jedem Aspekt ihrer Arbeit sehr organisiert zu sein, was für viele indische Menschen sehr übertrieben scheinen kann. Sowohl an indischen als auch japanischen Arbeitsplätzen wird indirekte Kommunikation mit hohem Kontext bevorzugt, aber wie dies gezeigt wird, ist sehr unterschiedlich; Japanische Manager sprechen wenig mit ihren Angestellten, aber Mitarbeiter sollen die Erwartungen ihres Chefs selbst ausarbeiten können. Zusätzlich mögen japanische Manager es, zu mikro-managen, indem sie ihre Mitarbeiter regelmäßig kontrollieren, während die ‚India Inc.‘ oft unter dem universellen Spruch ‚Mach das Notwendige‘ funktioniert. Jeder unserer japanischen Kunden braucht hunderte Seiten, um Fragen beantwortet zu bekommen, und als eine japanische Person, die indische Firmen besucht, kann es schwer fallen, Gemeinsamkeiten in den beiden Kulturen zu finden.

Wie sehen Unternehmen aus Ihrem Land Indien?

Japan sieht Indien als „Das Land der Verwirrung“. Japanische Menschen nehmen an, dass große Möglichkeiten in Indien existieren, aber gleichzeitig verstehen sie, dass es für sie schwer wird, in indische Märkte einzutreten. Für die meisten japanischen Geschäftsleute, die für internationale Firmen arbeiten, ist Indien nicht der ideale Platz, an den sie gesendet werden, da sie Effizienz sehr hoch bewerten und ihrer Ansicht nach alles in Indien – vom Transport bis hin zur Lieferung – verspätet ist.

Welche Segmente sind die vielversprechendsten?

Aufgrund des Wirtschaftsrückgangs oder einer potentiellen Wirtschaftskrise in China suchen viele japanische Produzenten Alternativen für Produktionsstätten und große Wachstumsmärkte anstelle von China. Die Menschen denken, dass Indien ein großartiger Kandidat für beide Zwecke sein kann. Die typischen Firmen, die Interesse an Indien zeigen, sind Industrigüterlieferanten wie die von Komponenten, Maschinen, Werkzeugen und Ausrüstung, während die meisten Konsumgüterlieferanten sich auf die ASEAN Region fokussieren aufgrund ihrer Bewunderung der japanischen Kultur.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Unternehmen aus Ihrem Land begegnen?

Jeder Aspekt im indischen Unternehmensumfeld kann eine große Herausforderung für japanische Firmen darstellen. Viele unerwartete Ereignisse können jeden Tag passieren, und Miskommunikation ist in den meisten indischen Büros alltäglich. Dies würde die meisten japanischen Unternehmer nerven. Sie benötigen Hilfe von Menschen, die sich mit beiden Kulturen auskennen.

Über Fenetre

Fenetre Partners ist eine führende Beratungsfirma in den Bereichen Handel, Investements und internationalem Marketing mit Hauptsitz in Tokio, Japan. Die Rolle des Unternehmens ist es, als Brücke zu fungieren, die unterschiedliche internationale Unternehmen mit Japan und dem weltweiten Markt verbindet, und viele Kunden mit Marktforschung, Markteintrittsstrategien, lokaler Partner- und Vertreibersuche, Handelsvertretungsunterstützung, und Repräsentanten für Marketing und Verkauf unterstützt. Fenetre’s Kunden sind sowohl ausländische Firmen, die in den japanischen Markt eintreten wollen, als auch japanische Firmen, die eine internationale Expansion anstreben. Gegründet in 2008 besteht Fenetre Partners heute aus 16 Mitarbeitern, und hat internationale Projekte für mehr als 130 Firmen in den letzten 7 Jahren durchgeführt.