Modi’s Vermächtnis – Bestandsaufnahme vor der Wahl

Indien ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit, wenn nicht gar die am schnellsten wachsende. Dennoch fällt Narendra Modis Bilanz gemischt aus. Warum ist das so?

Zentrale Wahlversprechen Modis waren gut bezahlte Arbeitsplätze und Wohlstand für alle; 12 Millionen Arbeitsplätze pro Jahr lautete das selbstgesteckte Ziel Modis. Sein Kalkül war, Landarbeiter wandern aus ihren Dörfern in Industriestandorte ab und werden dort anfänglich als „billige“ Arbeitskräfte beschäftigt. Mit steigender Produktivität und Einkommen, steigt dann wiederum der Konsum. Was letztendlich zu mehr Wohlstand für alle führt. Soweit die Theorie. Leider ist dieses Kalkül bis jetzt nicht ganz aufgegangen. Richtig ist, dass die indische Volkswirtschaft zurzeit eine der schnellst wachsenden weltweit ist, was hauptsächlich dem Privatkonsum, öffentliche Investitionen und Dienstleistungssektor geschuldet ist. Jedoch IT, Pharmazie und Biotechnologie bringen nur vergleichsweise wenige Menschen in Lohn und Brot – und hier ausschliesslich Fachkräfte. Was fehlt sind Fabriken, in denen nicht- und geringqualifizierte Arbeitssuchende Beschäftigung finden. Über 70 % der Bevölkerung arbeitet immer noch in der Landwirtschaft und verdient mehr schlecht als recht. Modis aktuelles Problem heißt demnach ‚Wachstum ohne Beschäftigung‘ und hat ihm einen erheblichen Vertrauensverlust bei seinen Anhängern eingebracht hat. Wie gravierend dieses Problem ist, zeigt sich darin, dass die Regierung vor kurzem versucht hat, die Veröffentlichung des Berichtes zur Lage der Arbeit zu verhindern.

Grundsätzlich arbeitet Modi nachdrücklich daran sein zentralen Wahlversprechen umzusetzen, leider ist dies nur nicht rechtzeitig zu dieser Wahl im Mai möglich. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe versucht die Regierung, mithilfe wichtiger Kampagnen, Investoren zu gewinnen. „Make in India“, die wichtigste Initiative Modis, zielt darauf ab, Indien als Produktionshub für die Regionen Süd und Süd-Ost Asien zu positionieren. Es ist Modis Verdienst, dass Indien seit einigen Jahren international wieder positive Aufmerksamkeit genießt. Internationale Investoren sondieren verstärkt das Terrain und planen Indien als künftigem Produktionshub mit ein. Bei einer Wiederwahl stehen die Chancen gut, dass Modi die Früchte seiner Arbeit ernten wird.

Perspektiven für deutsche Investoren in Indien

Über 1600 deutsche Firmen sind bereits in Indien aktiv und Maier+Vidorno erwartet künftig einen deutlichen Anstieg dieser Zahl. Deutsche Geschäftsleute geniessen bei indischen Geschäftspartnern einen guten Ruf, den sich die deutsche Industrie in jahrzehntealten Beziehungen hart erarbeitet hat. Das Label Made in Germany steht bei Konsum- wie auch Investitionsgütern für Qualität und Sicherheit. Allerdings wird die Begeisterung über deutsche Produkte häufig durch den Preis gedämpft. Zurzeit werden immer noch günstigere Produkte, zum Beispiel aus China, bevorzugt gekauft. Allerdings wird der qualitätsorientierte Konsum der schnell wachsenden Mittelschicht die Nachfrage nach deutschen Produkten beschleunigen. Sämtliche internationale Beratungsgesellschaften und Marktforschungsinstitute sind sich einig, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre über 500 Millionen Inder in die Mittelschicht aufsteigen werden und sich Indien zu einem der Topmärkte für Konsum- und Investitionsgüter entwickeln wird. Der wichtige indische Markt ist aber nicht ganz einfach zu bearbeiten.

Deutsche Investoren sehen sich mit speziellen Herausforderungen konfrontiert, die vor allem der schieren Größe des Marktes geschuldet sind. Die wichtigsten Business Hubs liegen tausende Kilometer voneinander entfernt. Indien ist vielleicht auf der Landkarte ein Land, nicht aber wenn es um das „Doing Business“ geht. Unzählige Bundesstaaten mit verschiedenen Amtssprachen, kulturell unterschiedlich geprägten Kunden und auch geografisch bedingten Extremen wie Infrastruktur und Klima, können nur über eine dezentrale Go-To-Market-Strategie mit flächendeckender Händlerstruktur bearbeitet werden. Dieses führt wiederum zu Anforderungen an die lokale Organisation, deren Umsetzung viel Know-how und Erfahrung erfordert. Ein Mix aus eigenen Vertriebsmitarbeitern und lokalen Absatzmittlern ist fast immer ein Muss.

In die Auswahl der Vertriebspartnerschaften sollte der deutsche Investor im Vorfeld Zeit investieren. Es gibt viele Händler, die im Umgang mit internationalen Geschäftspartnern geübt sind. Das heisst aber nicht, dass man die gleichen Vorstellungen über einen nachhaltigen Geschäftsaufbau teilt. Das einfache Herstellen von Kundenkontakten reicht nicht mehr aus. (After-Sales) Service Dienstleistungen und aktive Marktbearbeitung stehen im Vordergrund, nicht zuletzt, um den Preisnachteil deutscher Produkte wettzumachen. Indische Geschäftsleute sind zwar begnadete Verkäufer, verfügen allerdings im Hinblick auf eine moderne Marktbearbeitung weder über die notwendigen (Fach-)Kenntnisse noch Methodik.

Ausgewählte Wachstumssegmente und Investitionschancen für deutsche Investoren

In fast allen Wirtschaftsbereichen besteht in Indien viel Nachholbedarf und entsprechend groß sind die Chancen für deutsche Produzenten. In den letzten Jahren hat die indische Regierung vor allem in die Infrastruktur investiert. Aber Indiens Bauwirtschaft hat nicht nur im öffentlichen Bereich zugelegt (Straße, Schiene, Luft und See), sondern auch beim privaten Wohnungsbau verbessern sich die Aussichten und somit die Chancen für Zulieferer.

Traditionell steht Deutschland in Indien vor allem für Maschinen und Elektrotechnik und deutsche Unternehmen aus diesen Bereichen geniessen viel Vertrauen und verfügen somit über einen nicht zu unterschätzenden Startvorteil. Dieses sollte genutzt werden.

Indiens Automobilindustrie feiert jedes Jahr Absatzrekorde und wird dieses aller Vorraussicht nach auch künftig tun. Allerdings müssen deutsche Lieferanten – nach einer begrenzten Markteinstiegsphase – grundsätzlich bereit sein, lokal zu investieren und produzieren. Das Wachstum im KFZ Bereich findet vor allem bei lokal gefertigten Modellen statt. Wer hier Zugang hat und wettbewerbsfähig anbieten kann, muss sich langfristig um Wachstum wenig Gedanken machen.

Auch die Gesundheitswirtschaft bietet interessante Chancen. Experten erwarten ein mittel- bis langfristiges Wachstum im zweistelligen Bereich. Rechtzeitig zur Wahl hat Modi das weltweit größte Krankenversicherungsprogramm gestartet. Die Regierung plant für die ärmsten der Armen Krankenversicherungskosten von mehreren Tausend Euro pro Jahr zu übernehmen (bisher war Krankheit die größte Armutsfalle). Dieses Programm wird für erhebliche Investionen im gesamten Gesundheitssektor sorgen (Bau und Ausstattung von Krankenhäusern, Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften).

Weiterhin sehr interessant sind die staatlichen Maßnahmen im Bereich der lebensmittelverarbeitenden Industrie. In Indien werden weniger als 10 % aller Lebensmittel weiterverabeitet. Um dem entgegen zu wirken hat Modis Regierung mit dem landesweiten Bau und Ausbau von Mega-Food-Parks und einer geschlossenen Kühlkette begonnen.

Last but not least sollte jedes deutsche Green-Tech Unternehmen wissen, was in Indien geplant ist. Indien ist zwar immer noch eines der am verschmutztesten Länder weltweit (Luft, Wasser, Boden), jedoch arbeitet die indische Regierung kontinuierlich an der Verbeserung dieses Zustandes. Unzählige Programme wurden in Auftrag gegeben und implementiert – zu den bekanntesten hierunter zählen die 100 Smart City Initaitive und das Ganges Projekt.

Um nur einige Beispiele zu nennen, die Indien für ausländische Investoren attraktiv machen. Eins ist sicher, ob mit oder ohne Modi, das Land wird weiterwachsen und die Anzahl der deutschen Firmen vor Ort ebenfalls.

Am 25. Juni 2019 haben Sie die Möglichkeit sich zu diesen und weiteren Themen rund um das Thema „Doing Business in Indien“ während der Veranstaltung „India Day – Das Unternehmerforum“ in der festlichen Flora in Köln auszutauschen. Das Unternehmerforum bietet sowohl Indien-Einsteigern als auch Indien-Experten Updates, informative Diskussionsrunden, exklusive Praxisvorträge und eine einmalige Austauschplattform rund um den indischen Markt. Eine Pflichtveranstaltung für jeden Unternehmer, der sich im internationalen Umfeld bewegt.

Weitere Infos finden Sie auf www.indiaday.de – Anmeldeschluss ist der 14. Juni 2019.