Erstmals veröffentlicht im Juli 2015

Ausländische Unternehmen, die den indischen Markt mit importierten Produkten bearbeiten und aufbauen wollen, können nicht nur zwischen verschiedenen Vertriebsmöglichkeiten wählen, sondern müssen auch eine passende Lösung für die Abwicklung von Montage und Installation vor Ort in Indien anbieten. Um Montage- und Installationsarbeiten in Indien durchzuführen, gibt es verschiedene Möglichkeiten – je nach Art der Leistung und der Kombination von Service, Lieferung und lokaler Anpassung.

Bei großen Einzelaufträgen mit zeitlicher Begrenzung – wie beispielsweise die Lieferung von Großmaschinen und -anlagen – kann die Frage nach der Montage, Inbetriebnahme beziehungsweise Installation in Indien schnell zu einer Herausforderung werden. Denn bei der Durchführung solcher Leistungen in Indien ergibt sich das Problem der Steuerpflichtigkeit, wenn durch die lokale Wertschöpfung der Tatbestand einer rechtlich relevanten Betriebsstätte mit lokaler Wertschöpfung – einer Permanent Establishment (PE) – entsteht.

Zur Erbringung von Montage- und Installationsleistungen vor Ort kommen verschiedene Szenarien in Frage, die von der Art und Dauer der zugesagten Serviceleistung abhängen:

    • die kurz- bis mittelfristige Entsendung von Stammhausmitarbeitern
    • die Auslagerung an indische Partnerunternehmen
    • die Gründung einer eigenen Organisation

Entsendung von eigenem (technischen) Personal zur Installation in Indien

Wenn das Geschäft einmalig (bzw. nicht auf eine dauerhafte Tätigkeit in Indien ausge-richtet) ist und die zu erbringende Montage-, Installations- und/oder Inbetriebnahmeleistung sich auf einen kurzen und klar definierten Zeitraum beschränkt, kann für die Aktivitäten beim indischen Kunden technisches Personal aus dem Stammhaus entsandt werden. Selbst bei kurzen Aufenthalten in Indien sollte man sich jedoch rechtzeitig über die geltenden Visabestimmungen informieren, da diese sich erfahrungsgemäß häufig ändern. Es wird im Allgemeinen zwischen Business, Employment und X Entry Visa unterschieden. Informationen können bei der zuständigen indischen Botschaft bzw. bei indischen Konsulaten eingeholt werden.

Problematisch wird es, sobald die Projektdauer auf länger als ein halbes Jahr angelegt ist, beziehungsweise wenn einzelne Mitarbeiter mindestens 182 Tage pro Jahr in Indien verbringen – da diese dann in Indien einkommensteuerpflichtig sind und dem deutsch-indischen Doppelbesteuerungsabkommen unterliegen. Vor allem ist zu beachten, dass das entsendende ausländische Unternehmen dadurch in Indien ebenfalls steuerpflichtig ist und ein Permanent Establishment aufweist. Für die Steuerabführung der Mitarbeiter und für die lokale Leistungserbringung – also die Dienstleistung der Installation in Indien – muss mindestens eine PAN und TAN Nummer (Permanent Account Number, Transaction Account Number) beim Income Tax Department registriert werden. Die Höhe der Steuerschuld bzw. die Aufteilung der Steuerlast in Indien und in Deutschland gilt es genau zu beachten und richtet sich nach der Leistung, die vor Ort in Indien erbracht wird. Da dies jedoch oftmals Auslegungssache ist, sollte ein Permanent Establishment aufgrund der finanziellen und administrativen Aufwendungen vermieden werden.

Auslagerung der Installation in Indien an lokale Partner

Ferner ist es möglich, die mit dem Verkauf verbundene Montage und Installation in Indien an ein indisches Partnerunternehmen auszulagern. In diesem Fall muss der Umfang der vom Partnerunternehmen erbrachten Leistungen aus devisenrechtlichen Gründen jedoch aus dem Liefervertrag herausgelöst werden. Die Bezahlung dieser Leistungen darf innerhalb Indiens nur in Rupien erfolgen. Zudem muss der indische Endkunde den Unterauftrag unmittelbar beim indischen Dienstleister beauftragen, das heißt, es wird ein gesonderter Leistungsvertrag mit dem Kunden und dem eigenen indischen Partner zur Installation vereinbart.

Die Frage nach Garantie (bzw. Warranty) sollte im Einzelfall – je nach Anbieter und Art der Leistungserbringung – geklärt und gesondert für Produkt, Material und Installation betrachtet werden. Die größte Herausforderung besteht darin, einen geeigneten Partner für die Installation in Indien zu finden, der sowohl über die notwendigen Kapazitäten, geschultes Personal als auch über das erforderliche Know-How verfügt, um die produktspezifischen Leistungen durchzuführen. Oftmals werden meist Partner verpflichtet, die in der Vergangenheit bereits mit dem Hersteller zusammengearbeitet haben.

Eine 100%ige Sicherheit, dass die Leistungen zufriedenstellend ausgeführt werden, gibt es jedoch nicht. Will der Hersteller absolut sicher sein, dass sein Ruf nicht durch Fahrlässigkeit des Partners Schaden nimmt, sollte er die Leistung besser selbst in die Hand nehmen.

Zudem ist die Auslagerung der Montage, Inbetriebnahme und Installation in Indien immer eine Gratwanderung zwischen Weitergabe und Schutz des eigenen Wissens beziehungsweise der eigenen Technologie. Zum einen benötigt der Partner zur Ausführung der Serviceleistungen das jeweilige Fachwissen. Zum anderen besteht dabei aber die Gefahr, dass dieser, sobald er sich das Spezialwissen angeeignet hat, plötzlich zum Konkurrenten wird.

Gründung eines Projektbüros oder einer eigenen Niederlassung zur Installation in Indien

Auf einzelne Projekte bezogene Geschäfte können als Project Office (PO) angemeldet und steuerlich abgerechnet werden. Ein PO ist vergleichbar mit einem Branch Office, also einer Zweigstelle der Muttergesellschaft in Indien, dabei jedoch auf eine klar abgesteckte Dauer beschränkt. Die erlaubten Aktivitäten sind strikt auf ein einzelnes Projekt und die in diesem Zusammenhang anfallenden Aktivitäten begrenzt. Allerdings ermöglicht ein PO, gegebenenfalls weitere Produkte auch von unterschiedlichen Vertragspartnern zu importieren oder vor Ort in Indien zu beschaffen, lokales Personal und Entsandte einzustellen sowie Dienstleistungen zu erbringen und abzurechnen. Die Eröffnung eines Projektbüros ist somit für Unternehmen interessant, die komplexere und zeitlich begrenzte Projekte planen – mit Importanteil und lokalem Zukauf weniger kritischer Komponenten sowie deren Montage und Inbetriebnahme.

Obwohl Montagetätigkeiten niemals langfristiger Natur sind, können sie mitunter doch als Ausgangspunkt für eine langfristige Investition in Indien genutzt werden. Viele Unternehmen schaffen es bereits über ein Projekt zusätzlich zum Produkt einen sogenannten Annual Maintenance Contracts (AMC) an den Kunden zu verkaufen. Solche Verträge sind in Indien – gerade für importierte Qualitätsprodukte – weit verbreitet und sichern über einen bestimmten Zeitraum ein festes monatliches Einkommen für eventuelle Wartungsarbeiten an den Produkten. Zusätzlich zu den ohnehin zu erbringenden Serviceleistungen können im Rahmen einer eigenen Niederlassung auch andere verkaufs- oder einkaufsbezogene Aktivitäten durchgeführt werden.

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